Schnell wird klar: Die Vasektomie ist sicher, unkompliziert und hat keine hormonellen Nebenwirkungen. Vor diesem Hintergrund stellt sich auch die Frage nach der Verhältnismässigkeit neu. Während Frauen bei einer Sterilisierung einen deutlich invasiveren Eingriff in Kauf nehmen müssen, ist die Vasektomie für Männer vergleichsweise simpel. Der Samenleiter ist gut zugänglich, der Eingriff erfolgt ambulant und unter Lokalanästhesie.
Innovative Methode bricht Hemmung
Dass der Eingriff unkompliziert ist, betont auch die Urologin Claudia Meissner. «Grundsätzlich ist das Risiko sehr gering», erklärt Meissner. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Entzündungen, die in ein bis zwei Prozent aller Fälle auftreten. Das Post-Vasektomie-Syndrom, das bedeutet Schmerzen in Hoden, Nebenhoden oder Leiste, tritt selten auf, ebenso die Wiederdurchlässigkeit. Entsprechend verzeichnet das Lindenhofspital in Bern, wo Meissner Vasektomien durchführt, eine lange Warteliste.
Der Erfolg der Vasektomie wird standartmässig nach drei Monaten mit einem Kontrollspermiogramm geprüft, so Meissner. Bei fehlendem Spermiennachweis erfolgt die Freigabe. Das heisst, dass der Mann keine Kinder mehr zeugen kann und entsprechend keine andere Schwangerschaftsverhütung mehr anwenden muss. Diese Garantie gilt lebenslang. «Die Endgültigkeit des Eingriffs und die anfängliche Unsicherheit, wie sich das Ganze anfühlt, beschäftigten mich sehr», erinnert sich Florian. Als er dann von der “No needle, no scalpel”-Methode erfährt, lässt er sich nach einem Beratungstermin bei einer Praxis auf die Warteliste setzen.
Routineeingriff muss überlegt sein
Nach rund einem halben Jahr Wartefrist findet der Eingriff statt. Die Ärztin setzt die lokale Betäubung und führt den Eingriff routiniert durch. Als die Enden der Samenleiter verschweisst werden, nimmt er kurz den Geruch von verbranntem Haar wahr. Ein Detail, das ihm im Gedächtnis geblieben ist. Rund 40 Minuten dauert der Eingriff, der unspektakulärer verläuft, als Florian erwartet hatte.
«Das Ganze war schmerz- und problemlos», erzählt er. Seither spüre er vor allem positive Konsequenzen. Weniger Druck, mehr Freiheit und das Gefühl, eine bewusste Entscheidung getroffen zu haben. Auch habe das Thema Verhütung in der Beziehung an Leichtigkeit gewonnen, denn: «Vasektomie ist weder eine Einbusse an Sexualität noch eine unüberlegte Entscheidung – nur ein sicherer Weg, keine Kinder zu zeugen.»
Trotz des aktuellen Trends müsse eine Vasektomie aber gut überlegt sein, betont Claudia Meissner. Sie komme nur für Männer in Frage, die keine (weiteren) Kinder wollen. Eine Rückgängigmachung sei aufwendig. Der Entscheid müsse daher mit Bedacht getroffen werden, sagt die Urologin. Allerdings gibt es nach heutigem Kenntnisstand keine andere zugelassene und ebenso sichere Verhütungsmethode für den Mann.
Kim Pittet ist Autorin bei Geschlechtergerechter